Hale in Tansania

 

  – ARCHIV –

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Aktuelles:


Reisebericht: Tansania, im Juli 2016

Montag 4. Juli:

Der Flug mit Swiss verlief wie gewohnt präzise. Um 21.30 Uhr waren wir in Dar es Salaam am Zoll. Und da begann das große Zittern. Ich hatte für über 1000 Euro Ersatzteile für den Traktor im Koffer und wie ich diese durch den Zoll bringen soll machte mir schon lange Kopfzerbrechen. Neu ist, dass man jetzt auch hier das Gepäck durchleuchtet, es also keine Lücke gibt. Als mein Koffer durch das Gerät lief, sah ich auf dem Bildschirm alle meine Ersatzteile, nur der Zöllner schaute ostentativ in eine andere Richtung. Er wünschte noch eine gute Reise, und alles war in Ordnung. „Inschallah“ sagt man hier dazu; so Gott will. Frank stand schon bereit um uns ab zu holen und in das Hotel zu bringen, auch eine Flasche Wasser besorgte er noch.

Dienstag, 5. Juli:

Frank sollte uns um 5.45 Uhr abholen, war aber schon eine halbe Stunde früher da. Wir waren auch schon bereit und so dachten wir, wir haben genügend Zeit. Den permanenten Verkehrsinfarkt der in DAR schon morgens um 5 Uhr beginnt hatte sogar der Taxifahrer unterschätzt. Um 7.30 Uhr sollte der Bus abfahren und wir waren eingekeilt zwischen Autos und LKW. Eine solche Situation entwickelt ganz neue Aktivitäten. Ein schwarzer Boy mit einem Handkarren kam vorbei und flugs lud er unsere Koffer auf und so ging es im Schweinsgalopp durch das ganze Gewühl die letzten 500 Meter zum Busbahnhof. Es reichte gerade noch, doch bis er aus dem Busbahnhof herauskam, verging noch einmal eine halbe Stunde. Um 12.30 Uhr kamen wir dann in Hale an, wo uns Thomas in Empfang nahm. Ein erster Rundgang zeigte uns wo der Focus in den nächsten Tagen liegen würde, der Traktor war in einem erbärmlichen Zustand.


Mittwoch, 6. Juli:

Heute haben wir den ganzen Tag am Traktor gearbeitet, es gibt viel mehr zu tun als wir gedacht haben. Das Ende des Ramadan spielt uns auch noch übel mit. Wir brauchen ein Ersatzteil aus Tanga, da der Mann aber ein Muslim ist und derzeit ein 3-tägiges Fest läuft (Ende des Ramadan), müssen wir warten. Das ist etwa so wie wenn man bei uns am Rosenmontag dringend etwas braucht.

Schwester Karin:

Schon viel von ihr gehört, heute habe ich sie kennengelernt, sie war in Hale um den Bau einer Wasserzysterne vorzubereiten. Die Vita dieser Frau ist so ungewöhnlich, dass ich es hier festhalten muss. Schwester Karin stammt aus Freiburg und hat dort Tiermedizin studiert. Mit 27 Jahren trat sie in den Orden der Benediktinerinnen ein und wurde von ihnen nach Tansania geschickt, wo sie seit 49 Jahren lebt. Als Veterinär arbeitete sie 30 Jahre bei den Massai in der Massai-Steppe. Neben Ihrer Tätigkeit war sie in der Katechese tätig und baute zusammen mit den Missionsbenediktinern eine Pfarrei auf. Als dann der Benediktinerpater starb, bekam sie keinen Ersatz mehr aus Deutschland und musste mit einheimischen Priestern weitermachen. In dieser Zeit hatten sie begonnen Wasserzysternen zu bauen um Regenwasser aufzufangen. Mit dieser Aufgabe stand sie nun alleine da. Es gelang ihr das Projekt weiter zu betreiben und dies mit Erfolg. Nun ist Sie mit 78 Jahren als Bauingenieur tätig, reißt im Land herum und organsiert den Bau von Wasserzysternen. Angefangen von der Besichtigung der Baustellen, der Beschaffung des Materials (Kies und Zement) dem Transport der Schalung bis zum fertigen Bau.

In Hale hat Sie die Baustelle besichtigt, es soll ein Erdbehälter mit ca. 60 m³ geben. So ein Bau ist absolut sinnvoll, da man in der Regenzeit Wasser speichern kann um dann in der Trockenzeit bewässern zu können.

Alina

Alina ist eine Medizinstudentin aus der Nähe von Viersen / NRW. Sie hat bereits 8 Semester hinter sich und macht jetzt ein Praktikum in Tansania. Bevor sie dieses Antritt, ist sie noch zwei Wochen im Pfarrhaus von Hale. Für uns eine angenehme Begleiterin, sie hilft wo sie kann.


Donnerstag, 7. Juli:

Heute war es recht frustrierend, überall hat es ein wenig „gefuchst“. Nichts hat gepasst und am Ende kamen noch „Sonderaufgaben“ dazu, z.B. ein altes Dach schweißen. Der Anlasser kam aus Tanga zurück und funktionierte erst nicht. Also noch einmal, Thomas wird sich freuen.

Heute Abend schauen wir das Halbfinale Deutschland: Frankreich an, Alina hat extra eine Kuchen gebacken, keine einfache Aufgabe in dieser Küche. Schaun wir mal. Es passt zu diesem Tag, dass Deutschland das Fußballspiel dann auch noch verloren hat. An uns hat es nicht gelegen, wir haben genug gebrüllt.


Freitag, 8. Juli:

Es steht ein bewegtes Wochenende bevor. Thomas feiert sein 25-jähries Priesterjubiläum in seinem Heimatort in den Usambara Bergen. Am Morgen hatten wir noch am Traktor gearbeitet, am Mittag sollte abgefahren werden. Als wir verschwitzt und mit schwarzen Händen duschen wollten, war der Wassertank leer. Afrika!! Immerhin gab es noch einen Eimer voll Wasser für das gröbste.

Es steht alles im Zeichen des Jubiläums und die Muslime feiern immer noch das Ende des Ramadan, im Moment kann man von niemand etwas wollen. Immerhin sind wir mit dem Traktor ein Stück weiter gekommen.

Schwer beladen fuhren wir am Nachmittag nach Kongeni, dem Heimatort von Thomas. Viele Mitglieder seiner Pfarrei fuhren ebenfalls hin und halfen das Fest aufbauen. In Gare, einer Pfarrei hoch in den Usambara Bergen und in der Nähe von Kongeni, konnten wir bei Father Anthony übernachten.


 

Samstag, 8. Juli:

In Afrika beginnt ein Fest, wenn die Sonne aufgeht und endet wenn sie untergeht. Thomas hatte auch in Gare übernachtet und bereits beim Frühstuck rückte die „Brass-Band“ von Hale an um den Tag gebührend zu beginnen.

Um 10 Uhr sollte die Messe in der Kirche von Kongeni beginnen, um 10.30 Uhr war es dann soweit. Rund 40 Priester, angeführt von Bischof Banzi, und über 1000 Gläubige aus der ganzen Region nahmen teil. Es war ein sehr lange (über 3 Stunden) dauernder Gottesdienst, der aber auch sehr feierlich und ansprechend war. Die Teilnahme des Bischofs an einem 25-jährigen Priesterjubiläum, zeigt den Stellenwert den Thomas Msagati in dieser Region hat.

Was danach bis zum Sonnenuntergang kam, entzieht sich dem Verständnis eines Europäers, umgekehrt wäre es wahrscheinlich genau so, deshalb soll es hier auch nicht kommentiert werden. Jede Kultur hat das Recht, ihre Feste so zu feiern, wie es ihrer Tradition entspricht. Erwähnenswert ist, dass auch sehr viele Muslime am Fest teilgenommen haben und der Imam ein Grußwort sprach. Das ist hier so normal wie bei uns das Bier am Frühschoppen.

Als es dunkel war fuhren wir wieder hinauf nach Gare in unser Quartier, wo wir sehr liebevoll von Father Anthony umsorgt wurden. Auch gab es heute Wasser, im Gegensatz zu gestern. Wir mussten gestern die Körperpflege mit einer Flasche Mineralwasser bewerkstelligen.


Sonntag, 10. Juli:

Der Sonntag war das Nachfest, Thomas hielt eine Messe in Gare, danach ging es hinunter nach Kongeni, wo die vielen Helfer das Fest aufräumten. Nach einem Aufenthalt in seinem Elternhaus ging es am späten Nachmittag zurück nach Hale.


Montag, 11. Juli:

Wir arbeiten am Traktor weiter, die Elektrik macht Manfred einige Mühe, man sieht schon, dass nicht immer so pfleglich damit umgegangen wird. Langsam gehen die Reparaturen auch in das Geld, wir haben für über 1000 Euro Ersatzteile mitgebracht, dann waren noch neue Batterien und ein neuer Anlasser fällig, der aus Nairobi kam. Der Traktor hat seit unserem letzten Besuch im September 2015 über 500 Betriebsstunden gearbeitet. Diese Maschine ist hier so wichtig, dass er auf keinen Fall ausfallen darf. Gut ist, dass diese alten Traktoren so robust sind und bei John Deere alle Ersatzteile weltweit zu Verfügung stehen. Leider haben wir schon zu viele Traktoren hier gesehen, die nicht gewartet wurden und nur noch Schrott sind, obwohl sie noch lange laufen könnten.


Dienstag, 12. Juli:

Nach dem Frühstück fuhren wir (Father Kasimir, Mr. Mbuia, Alina, Manfred, Josef) nach Hadeni zu Sr. Karin. Sie hatte uns um einen Besuch gebeten, da ihr Generator nicht mehr läuft. Wir waren sehr gespannt was wir antreffen würden und freuten uns als wir einen alten Bekannten sahen, einen Hatz-Diesel Generator, fast baugleich wie der in Hale. Die Sache war schnell klar, Tank leergefahren, überall Luft in den Leitungen und die Sicherungen waren auch gefallen. Nach gründlicher Entlüftung sprang er an und freute sich, dass er wieder laufen durfte.

Auch hier in Hadeni haben sie seit Monaten keinen Regen mehr bekommen, anderes Wasser gibt es nicht. Die Zisternen sind fast leer, dann können sie ihre Kulturen (Orangen, Ananas) nicht mehr bewässern. Hadeni ist ein Ort, an dem man nur auf Regenwasser angewiesen ist, deshalb hat man hier begonnen Zisternen zu bauen um die tropischen Regengüsse aufzufangen. In normalen Jahren hat man genügend Reserve, in diesem Jahr wird es sehr eng.


Mittwoch, 13. Juli:

Aus Nairobi kam endlich der neue Anlasser, sodass wir am Traktor weiterarbeiten konnten. Leider mussten wir feststellen, dass auch die Hydraulikpumpe einen Schaden hat. Sie muss gewechselt werden, das Originalteil muss zuerst beschafft und dann eingebaut werden.

Es stellt sich natürlich die Frage, ob es Sinn macht, noch viel Geld in eine alte Maschine zu stecken. Die Alternative wäre in einen neuen Traktor zu investieren, es gibt speziell für Afrika günstige Maschinen, auch von John Deere. Allerdings wäre das nur schwer zu finanzieren. Auch der Umstand, dass hier z.T. recht unsachgemäß mit den Traktoren umgegangen wird und es auch immer Gewaltschäden gibt, spricht dafür, den alten Instand zu halten.


Donnerstag, 14.Juli:

Alina hat sich heute verabschiedet und tritt ein Praktikum in einem Krankenhaus an. Sie war ein „Kumpel“ in des Wortes bestem Sinne, unkompliziert, fröhlich und hilfsbereit. Dass eine Medizinstudentin aus Deutschland in diesem Land praktische Erfahrung sammelt und dabei klaglos auch die „wasserlosen Tage“ mitmacht ist auch nicht gerade alltäglich. Sie meinte, eine gewisse „Grundklebrigkeit“ auf der Haut müsse man halt akzeptieren.


Freitag, 15.Juli:

Heute ist der letzte Tag, wir packen die Koffer. Die Arbeiten sind weitgehend erledigt, die neue Hydraulikpumpe konnten wir nicht mehr einbauen, sie muss zuerst aus Nairobi geliefert werden.

Mit Thomas fahren wir noch zu einer Aussenstation, dann noch etwas „vorschlafen“ für den langen Reisetag am Samstag. Wir werden um 7.00 Uhr mit dem Bus von Hale nach Dar es Saalam fahren, Frank wird uns wieder zum Flughafen bringen und am Sonntagmorgen um 7.00 werden wir wieder in Zürich sein, so Gott will.


 

Dies war der sechste Besuch in Hale, Zeit eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen.

Um es mit Antoine de Saint Exupery zu sagen: „ Wenn du Schiffe bauen willst, dann lehre den Menschen nicht das Holz sägen, sondern führe sie an Meer und wecke in Ihnen die Sehnsucht nach der Ferne“.

Nun sitzen wir am Meer und schauen in die Ferne, allein die Sehnsucht will sich nicht so recht einstellen. Bereitet ist vieles und was vorbereitet werden konnte um Möglichkeiten zu schaffen, kann sich sehen lassen. Doch nach sechs Jahren will man dann auch etwas sehen, sprich eines der vielen Projekte sollte die „Anfahrverluste“ überstehen und am Ende sich der Erfolg einstellen.

Nehmen wir die Sache mit dem Kindergarten: Der Transportbus und die Ausbildung der Kindergärtnerin wurde bezahlt, der Kindergarten lebt und es ist eine Freude jeden Tag die 45 Kinder zu sehen, die hier ein Art Vorschule genießen. Hier also voller Erfolg.
 

Der Traktor mit dem ganzen Equipment war ein großes Projekt und ist auch eine dauernde Baustelle. Allein an der Zahl der Betriebsstunden kann man ablesen, wie wichtig diese Maschine hier ist. Ob die Möglichkeiten in punkto Ackerbau, also Mais- und Sonnenblumenanbau, voll ausgeschöpft werden, kann ich schlecht beurteilen, da hier vieles vom Regen abhängt. Trotzdem scheint mir, dass hier noch Potential ist, das man noch strukturierter vorgehen könnte. Hier ist landwirtschaftliches Fachwissen notwendig, abgestimmt auf das hiesige Klima. Father Thomas ist Theologe, er kann nur aus der Tradition heraus Maßnahmen ableiten. Ich denke in diesem Zusammenhang oft an Israel, wo man in der Wüste Negev, in Sde Boker, eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt aufgebaut hat und mit allen möglichen Früchten die Wüste buchstäblich zum Blühen bringt. Auch Sr. Karin in Hadeni hat uns gezeigt, wie man das kostbare Wasser am effektivsten einsetzt, sie hat immerhin 48 Jahre lang Wissen gesammelt. Hier könnte man noch „etwas mehr Sehnsucht“ gebrauchen.
 

Die Mais- und die Ölmühle mit dem Generator ist eigentlich die Fortsetzung des Traktorprojektes. Hier soll die Wertschöpfungskette weitergehen, sollen Produkte entstehen für die es einen Markt gibt. Immerhin funktioniert es, 65 Stunden hat der Generator gelaufen, alles ist in einem sehr guten Zustand. Hier fehlt jetzt noch der Schritt von der Selbstversorgung zum verkaufsfähigen Produkt, das dann auch eine Wirtschaftlichkeit bringt. Die Trockenheit dieses Jahres und damit die geringe Ernte, wird wohl nicht den Durchbruch bringen.
 

Die Solaranlage arbeitet jetzt im dritten Jahr störungsfrei. Bei den oft täglichen Stromausfällen, hat man immerhin Licht und kann die Handys laden. Warum der große und energiesparende Kühlschrank aus Deutschland ausgesteckt und nicht benutzt ist, hat mich verwundert, die Solaranlage reicht allemal dafür. Hier fehlt einfach die hauswirtschaftliche Kompetenz an allen Ecken und Enden, in Hale ist niemand, der den jungen Mädchen ordentliches Wirtschaften beibringt. Ein Beispiel von vielen: In dieser Jahreszeit fallen hier sehr viele Früchte an, die allerdings auch schnell verderben. Niemand in Hale weiß, wie man sie einkocht, dafür kauft man die Marmelade in Kenia. In Hadeni und Gare hat man uns eingemachte Früchte vorgesetzt, die hervorragend schmeckten. Ein weiteres Thema ist das Brot. Hier kauft man für teures Geld weißes Toastbrot, das außerdem kaum einen Nährwert hat. Getreide kostet nur einen Bruchteil, eine Mühle haben wir ja und ein Solarbackofen wäre kein Problem, man muss aber backen können. Dass Alina im alten Holzherd einen hervorragenden Marmorkuchen fertig brachte, beweist dass es möglich ist. Auch hier schaut man in die Ferne, „doch die Sehnsucht ist noch nicht da“.
 

Eindeutig positiv ist das COR-Programm, die sogenannten Therapiewochen. Einmal im Monat wird hier mit behinderten Kindern und ihren Müttern eine ganze Woche lang gearbeitet, werden Therapien besprochen und angewendet, wird medizinische Hilfestellung gegeben und können die Mütter sich austauschen. Dieses Geld ist sehr gut angelegt, für die Betroffenen ein wahrer Segen. Hier liegen auch die Stärken von Father Thomas, hier ist er in seinem Element als Seelsorger. In diese Kategorie gehört auch der Bau von „Kirchen“ in den Aussenstationen, Treffpunkte für die Menschen, die in Lehmhütten hausen. Der Ort wo man Messe feiert, sich trifft und einen Schutz vor Sonne und Regen hat. Hier geht es nicht um wirtschaftliche Aspekte, hier geht es um menschenwürdiges Leben in einer unglaublichen Armut. Es ist ein besonderes Verdienst von Father Thomas, hier den Focus seiner Arbeit zu setzen und immer wieder um Geld für ein Blechdach über einem Altar zu betteln.

Angesichts der Tatsache, dass ein deutscher Bischof 35 Millionen Euro für einen neuen Bischofsitz vergeigt hat, ohne dass sich jemand getraute ihm in den Arm zu fallen, fragt man sich ob in der katholischen Kirche überall das gleiche „Vater unser“ gebetet wird.
 

Dies ist eine ziemlich schonungslose Analyse, sie soll zeigen wo dieses Projekt steht. Es ist nicht ohne Hoffnung, aber ein „Selbstläufer“ ist es auch noch nicht. Das „Learning by Doing“, das meine Generation nach dem Krieg in die neue Zeit führte, sollte auch hier der Auslöser sein. Auch wir mussten vom Kuhgespann zum Laptop mutieren, auch uns wurde dabei geholfen. Nur so kann man dieses Land aufbauen, solides Handwerk ist die Basis dazu. Schaut man die Niederlassungen der Benediktiner hier an, so gibt es genug Beispiele wie es funktionieren könnte.
 

Und das Fazit? Die Hoffnung stirbt zuletzt sagt man und sie wird genährt durch eine junge Generation, auch hier in Hale, die hochmotiviert, lernbegierig und fleißig zu uns schaut, die aber auch den nächsten Schritt noch vor sich hat. Ihr dabei zu helfen ist die Motivation.
 

Hale im Juli 2016
Josef Vogt



Besuch in Hale/Tansania vom 6. – 20. September 2015

(Zur Erklärung: Thomas = Father Thomas Msagati, Pfarrer der Pfarrei Hale in der Diözese Tanga/Tansania)


Montag, 7.September:

Der Flieger war schneller als erwartet, deshalb standen Manfred und ich schon einen halbe Stunde früher mit unseren Koffern am Ausgang des Flughafens bis Thomas kam. Nach der stickig-heißen Luft (36°C, um 23 Uhr) in Doha/Katar, wo wir zwischenlanden mussten, war es hier ein angenehmes Klima.
Noch verschiedene Besorgungen in DAR, dann machten wir uns auf den Weg nach Hale.

Unterwegs kehrten wir bei Sr. Margareta an, ich kenne sie von früher. Im letzten Jahr hatte ich ihr eine Uhr versprochen, nun konnte ich sie überreichen, die Freude war entsprechend.
In Hale angekommen, spielte die „Blasmusik“ und der ganze Kindergarten war angetreten, einer nach dem anderen kam um uns zu begrüßen, beim fünften Besuch ist es schon wie richtig ankommen.

Der Gang zum Container versetzte uns den ersten Schock. Beim Abladen ist er umgekippt und alles lag wild durcheinander. Die Mühle stand auf der anderen Seite, sie war quer durch den Container gerutscht. Es waren schon gemischte Gefühle, ich rechnete mit dem schlimmsten.Nach 36 Stunden in den Schuhen, machten wir den Container wieder zu und gingen schlafen, mal sehen was der morgige Tag bringt.


 

Dienstag, 8. September:

Frisch ausgeruht gingen wir zum Container, schaun wir mal. Alles zuerst mal ausladen und schauen was noch ganz ist. Es sah auf den ersten Blick schlimmer aus als es war.
Obwohl alles durcheinander lag, war offensichtlich nichts kaputt. Am Abend wussten wir, dass eigentlich gar nichts passiert war, nicht einmal eine der vielen Osterkerzen hat eine Schramme abbekommen. Eigentlich unerklärlich, die Mühle wiegt fast eine Tonne und ist quer durch alles Material auf die andere Seite gerutscht. Inshallah sagen die Araber.

 

Nachdem die Ölmühle aufgebaut war, füllten wir Sonnenblumen in den Trichter und waren startklar.
Es ist immer ein spannender Moment, wenn man nach vielen Monaten und einem Transport um die halbe Welt auf den Startknopf eines Dieselmotors drückt und schaut was passiert.
Dieser tat so, als habe er schon langen auf den Moment gewartet, er sprang sofort an. Auch hier also kein Schaden, und ein bisschen Stolz ist man schon auf deutsche Wertarbeit.

Nun hatten wir Strom und konnten die Ölmühle starten.
Unter den kritischen Augen der Holy Sisters von Montessori kamen die ersten Öltropfen aus der Presse, nach zwei Stunden war es ein ganzer Kanister voll, die Sache funktioniert.
Ein schöner Abschluss für diesen Tag, der so bang begonnen hat.


 

Mittwoch, 9. September:

Um 6.00 Uhr läuten die Kirchenglocken, 6.30 Uhr ist Messe, danach Frühstück, dann beginnt die Arbeit. So ist das in Hale. Das mit dem Frühstück muss man relativ sehen, Gott hat den Schwarzen die Zeit gegeben und den Weißen die Uhr.
Heute haben wir die Kunststoffmühle aufgebaut, eine schöne Schrauberei auf dem Containerdach.
Man kommt sich vor wie eine Katze auf dem heißen Blechdach.
Thomas hat einen Berg Flaschen gebracht, wir mahlen drei Qualitäten und gehen damit zu einem Verwerter. Dieser hat in Dar es Salam eine gute Recyclinganlage, wir werden versuchen das Material dort an den Mann zu bringen.

Manfred hat seine „Werkstatt“, die er vor einem Jahr in tadellosem Zustand verlassen hat, in einem wüsten Chaos wiedergefunden. Zwei Tage brauchte er bis alles wieder an Ort und Stelle war. Es hat uns schon geärgert, dass man jeden Schrott aufhebt und in unserer Werkstatt ablädt. So ist Afrika, aber manchmal muss man schon deutlich werden. Wir sind nicht nur zum Aufräumen gekommen.

Musik gibt es jeden Abend, sämtliche Proben der „Brass-Band“ und des Chores finden im Pfarrhof, unter freiem Himmel versteht sich, statt.
Irgendjemand probt immer, heute waren alle beisammen, aus jeder Ecke tönt es und das bei einem traumhaften, tropischen Sonnenuntergang. Dass der Muezzin einmal dazwischen schreit, rundet das Bild ab. Auch das ist Afrika.
Hale liegt 5° südliche Breite (Freiburg: 48° nördliche Breite), also sehr nahe am Äquator.
Das heißt, dass Tag und Nacht nahezu gleich sind. Um 6.30 Uhr beginnt es zu dämmern, um 7.00 Uhr ist es hell am Morgen, abends genau umgekehrt, das ganze Jahr gleich.
Da es meistens wolkenlos ist, sind die Sonnenuntergänge phänomenal.
Dann beginnt die Tropennacht mit ihrem eigenen Zauber, ihren Geräuschen, dem Zirpen der Grillen, der warmen Luft und dem unglaublichen Sternenhimmel.
Die Wiedergutmachung für die Hitze des Tages.


 

Donnerstag, 10. September:

Heute gab es Omeletten zum Frühstück, ich habe den Verdacht, dass es für uns wieder eine „Extrawurst“ gibt, obwohl ich immer dagegen protestiere. Aber den Thomas freut es auch.
Thomas musste heute zu einem Meeting nach Korogwe, wir arbeiteten an unseren Projekten weiter, doch dann kamen die Überraschungen.
Zuerst tauchte mein alter Freund, Pater Athanas, auf. Wollte nur mal eben vorbeischauen, war gerade auf der Durchreise. Wir konnten wieder einmal über die Landwirtschaft in Deutschland und Tansania reden. Der alte Franke versteht etwas davon.
Dann kam ein schöner Landregen, wie ich ihn hier noch nie erlebt habe. Wir mussten unterbrechen und unter Dach gehen zu dieser willkommenen Erfrischung.

Der nächste Besucher war Bischof Telesphor aus Morogoro. Kam auch auf eine Tasse Kaffee vorbei, es war ein angenehmes Gespräch auf Deutsch, verbunden mit einer Einladung nach Morogoro. Nach der kurzen Visite fuhr er weiter zur Bischofskonferenz.

Der nächste Event war die Inbetriebnahme der Maismühle. Nach anfänglichen Problemen lief es gut, der Mais musste allerdings zuerst noch gereinigt werden und war auch zu feucht. Das müssen sie hier auf die Reihe bringen. Beide Mühlen liefen, Öl und Mais wurde hergestellt, der Diesel lief souverän.

Dann tauchte plötzlich Eleonora -„the Doc“- auf, seit sie mich vor zwei Jahren verarztet hat, besucht sie mich immer wenn es möglich ist. Ich konnte ihr ein Blutdruckmessgerät übergeben, was große Freude auslöste. Aus Spaß habe ich ihr gleich mal den Blutdruck gemessen, die Manschette reichte gerade um ihren respektablen Arm, über das Ergebnis bin ich erschrocken. Sie liebt „Red Bull“ und hat wohl etwas zu viel erwischt. Sie lebt auch ein wenig nach dem Motto: Warum abnehmen, es gibt ja genug Stoff!

Thomas kam mit einigen Brüdern zurück aus Korogwe, wie immer bei solchen Gelegenheiten gab es ein großes Halali, dazu spielte wieder einmal die Musik in vollen Tönen.
Am Ende hatte ich Kopfweh. Gegen das Pfarrhaus in Hale ist ein deutsches Pfarrhaus der reinste Friedhof, es ist unglaublich was hier jeden Tag abgeht. Von morgens um 6.30 Uhr bis in den späten Abend ist hier High Life, ich habe noch nie erlebt, dass Thomas einen Ruhetag hat. Ob das auf die Dauer gutgeht?

 

 

Freitag 11. September:

„Business as usual“, Geschäft wie gewöhnlich war heute angesagt. Wir arbeiteten an unseren Projekten, der „Workshop“ von Manfred ist so langsam mustergültig. Philipp ist sein Adjutant, ein gelehriger Schüler. Die Lage entspannt sich ziemlich, auch die Solaranlage vom letzten Jahr habe ich heute getestet, sie funktioniert hervorragend. Kühlschrank, Hofbeleuchtung und Notlicht für Kirche und Pfarrhaus hängen daran, alles o.k.
Hale liegt an einer Durchgangsstraße, z.Zt. sind viele Geistliche unterwegs, weil überall Meetings sind. Wenn man lange unterwegs ist, gibt es auch menschliche Bedürfnisse, und da Hale so günstig liegt, bietet es sich an, hier einen Stop zu machen.
So kam Pater Athanas zweimal man einem Tag, Bischof Telesphor zweimal, Father Maximilian und weitere Herren ebenfalls. Sie alle gehen ziemlich zielstrebig auf die Toilette des Pfarrhauses zu, hinterher gibt es immer interessante Gespräche.So waren am heutigen Abend nicht nur alle Musiker wieder zugange, auch die „Pinkler“ waren mit von der Partie. Die Band spielte bis es dunkel war, am Ende saßen wir alle beim Container und tranken ein Bier.

 

Samstag, 12. September:

Philipp kristallisiert sich immer mehr als derjenige heraus, der unsere Anlagen betreuen kann.
Wir haben uns auf 8 Uhr verabredet, heute soll er in alles eingewiesen werden, was er an technischen Dingen wissen muss. Gemeinsam öffnen wir die Kunststoffmühle, bauen das Sieb aus und erläutern techn. Details.
Die Ersatzteile sind geordnet, ich erkläre ihm die Handhabung und die Wartungsarbeiten.
Danach kommt das Dieselaggregat an die Reihe, auch hier erklären, zeigen, hinweisen und darauf vorbereiten, dass er alleine zurechtkommen muss.
Ich kenne seine Ausbildung nicht, er bringt aber die Grundkenntnisse mit, stellt die richtigen Fragen und weiß wo er hinlangen muss.
Bei der Ölmühle bauen wir die Schnecke aus, damit er versteht wie das alles funktioniert, bei der Maismühle gibt es ebenfalls Dinge die man wissen muss, wenn Störungen auftreten.
So habe ich am Mittag das gute Gefühl, ihn mit der Maschinerie alleine lassen zu können. Wir haben ja noch eine Woche, wo wir zusammen üben können.

Ich bitte Thomas Philipp als Manager, insbesondere für die Kunststoffgeschichte einzustellen und ihm einen angemessenen Lohn zu zahlen. Es braucht jemanden, der den Input kontrolliert, die Maschine bedient und den Kunden zu Verfügung steht. Er findet das auch eine gute Idee, ich habe aber Bedenken, dass es am Geld scheitert. Deshalb biete ich ihm an, seinen Lohn aus Spendengeldern zu zahlen, bis die ersten Anlaufschwierigkeiten überwunden sind und die Sache sich selbst trägt. Angelika und Klaus müssen hier noch einmal nachhaken, wenn sie wieder vor Ort sind.


 

Sonntag, 13. September:

„Auf buntbewegten Gassen des Lebens Schauspiel sehen“, dieser Satz aus einem alten deutschen Lied kommt mir an diesem Sonntagmorgen in Hale in den Sinn.
Ein Neupriester aus der Umgebung hält heute die zwei Sonntagsmessen, und das verspricht spannend zu werden. Schon die ganze Woche probten ja der Chor und die Band auf dieses Ereignis, dazu kam noch ein Chor aus Tanga. Die erste Messe begann am Morgen um 6.30 Uhr, die zweite sollte um 8.30 Uhr beginnen.
Das ganze ging fließend ineinander über und endete um 12.30 Uhr. Singend, tanzend und jubelnd zogen die Chöre und die Menschen in die Kirche, die zweimal brechend voll war. Die Stimmung war geprägt von einer unglaublichen Fröhlichkeit, einem kindlichen Gottvertrauen und einer tiefen Frömmigkeit.
An diesem Sonntagmorgen in Hale konnte man sich nicht vorstellen, dass es irgendwo auf der Welt ein Problem gab.
Diese Menschen können den Augenblick leben und sich hingeben, obwohl die meisten nicht einmal ein Paar Schuhehaben. Man kann sie nur darum beneiden. Denkt man dabei an deutsche Verhältnisse und sieht dieses junge Volk, kommt einem nur das Wort Friedhof in den Sinn.

Das Mittagessen gestaltete sich als Agape, die Geistlichkeit und wir speisten im Pfarrhaus, die anderen Akteure verteilten sich im weiten Pfarrhof, überall wurde zwischen drei Steinen ein Feuer entfacht und ein einfaches Mahl zubereitet. Jeder brachte etwas mit, die Getränke kamen aus der „Gemeindekasse“, und so lebte man den Sonntagnachmittag.
Dass Singen, Tanzen und Rhythmik stets dabei waren, versteht sich von selber.

In Hale gibt es bei jedem Besuch ein Abschiedsfest. Da wir bereits am Samstag fahren, hat man es auf diesen Sonntagabend vorgezogen. Im Pfarrhof gab es ein Abendessen mit ungefähr vierzig Leuten, dem Chor und der „Brass-Band“.
So ein Essen ist eine recht einfache Sache, es gibt ein paar große Töpfe mit Gemüse, ein wenig Hühnerfleisch und „Ugali“ (Maisbrei), jeder nimmt sich einen Teller, schöpft, setz sich auf seinen Stuhl und isst. Für die „Weißen“ gab es einen Tisch und eine Gabel, die anderen essen mit den Fingern so elegant, dass es gar nicht auffällt, dass sie kein Besteck haben.
Zahlreiche Reden wurden gehalten (oft unterbrochen von einem Trompetenstoß oder einem Trommelwirbel), die Sache hatte einen offiziellen Charakter. Man hat uns gedankt (Manfred und ich bekamen wieder einmal ein buntes afrikanisches Hemd) und die Grüße nach Rickenbach mitgegeben.
Dass unter den Rednern auch ein Muslim aus Hale war, der uns persönlich dankte, gehört auch zum Bild und zeigt das Verhältnis Christen-Muslime, wie es hier gelebt wird.
Am Ende spielte die Band die tansanische Nationalhymne, alle standen stramm, die Männer mit der Hand auf dem Herz. Ich werde ihnen die Noten des Badner-Liedes schicken, dann kann man beim nächsten Mal beide Hymnen spielen :)

 

Montag, 14. September:

Der „John Deere“ Traktor steht heut auf dem Programm und der macht uns einige Sorgen.
Der Motor läuft unrund und raucht blau, kein gutes Zeichen.
Nach einigen Tests stellen wir fest, dass eine Einspritzdüse defekt ist. In Deutschland ist das eine einfache Sache, in Tansania muss man zuerst einmal das Wörterbuch wälzen um überhaupt den Fehler erklären zu können. Als alles klar war stellten wir fest, dass es Original-Ersatzteile nur in Dar es Salam oder Mombasa gibt, jeweils eine Tagesreise, wenn die Teile dort tatsächlich vorhanden sind. Ansonsten kommen sie aus Südafrika, was noch länger dauert.
Thomas sagte, er kenne einen „Fundi“ in Tanga, der die Düse reparieren kann. Die Skepsis war sehr groß, aber wir hatten keine andere Wahl, also schickte er sie weg und brachte am anderen Tag stolz die reparierte Düse zurück.
Was keinem Mechaniker in Deutschland einfallen würde, und was nur noch ein paar „alte Hasen“ können, brachte dieser Künstler in Tanga fertig, er reparierte die Düse. Als wir den Motor starteten, lief er rund und rauchte nicht mehr.
Not macht nicht nur erfinderisch, sie erschließt ganz neue Möglichkeiten.

 

Dienstag, 15. Sept.:

Der Traktor ist die zentrale Maschine hier, ohne ihn würde einiges zusammenbrechen.
Er erspart den Leuten nicht nur die größte Knochenarbeit, sondern erschließt auch neue Flächen für den Anbau der wichtigsten Lebensmittel. Er ist auch Teil eines Netzwerkes, in dem man sich Maschinen ausleiht und damit neue Möglichkeiten schafft.
Deshalb ist unser Augenmerk sehr stark auf die Instandhaltung fokussiert. Nicht das „flicken“, sondern das Instandhalten auf einem hohen Standard ist deshalb das Ziel.
Nach zwei Tagen Service ist er wieder auf einem guten Stand, allerdings wird das nächste Mal ein größeres Ersatzeilpaket fällig.

 

Mittwoch, 16. Sept.:

Nachdem Thomas am Sonntag im Gottesdienst kräftig Werbung für das „Flaschenrecycling“ gemacht hat, trudelt die erste „Ware“ ein. Alle möglichen Leute bringen leere Wasserflaschen, Philipp hat heute alle gemahlen.
Danach produzierte er noch Öl und Maismehl, alles völlig selbständig, ich sah nur von der Ferne zu. Wir können ihm die Maschinen mit einem guten Gewissen hinterlassen, seine Arbeitshaltung ist „ziemlich deutsch“, er weiß worauf es ankommt.
Die katholische Kirche in der Diözese Tanga ist eine große und bestens vernetzte Organisation.
Wenn es gelingt, ihre Möglichkeiten in das Flaschenprojekt „einzuspannen“, könnte es eine Chance sein, die Sache zum Erfolg zu bringen. Dafür wird allerdings ein Management nötig sein, das selbständig arbeitet. Vogt-Plastic hat mit schlechteren Maschinen begonnen.

 

Donnerstag, 17. Sept.:

Seit längerem erzählt uns Thomas, dass heute eine Visite der Diözese stattfindet und alle Priester nach Tanga müssen, weil ein Nuntius aus Rom komme. Ich dachte an eine Arbeitstagung, da zuvor die tansanische Bischofskonferenz in Montessori tagte. Wir hatten unsere Arbeit weitgehend erledigt und freuten uns auf einen ruhigen Tag, doch es kam ganz anders.
Nach der Frühmesse bat uns Thomas inständig mitzukommen, es sei „very important“ für uns.
So fuhren wir denn, zusammen mit Sr. Remi nach Tanga zum Regionalflughafen, wo der Gast ankommen sollte.
Das Spektakel war riesig, alle Priester und Ordensleute der Diözese waren anwesend, hunderte Kinder in gelb-weißen Uniformen schwenkten Fähnchen und sangen, dicke Polizeiautos mit wichtigen Männern standen parat, eine Band spielte und eine Folkloregruppe tanzte. In sengender Sonne wartete man auf das kleine Flugzeug. Eine Eskorte aus fähnchenschwingenden Kindern und Honoratioren durften direkt auf das Flugfeld um den hohen Gast zu empfangen. Als er endlich ankam, war das Gejohle unbeschreiblich, man hatte das Gefühl, Christus sitze persönlich im Flieger.
Im Konvoi, eskortiert von der Polizei ging es dann zum Bischofsitz in die große Kirche. Die Reden waren lang und wurden in Kisuaheli und Englisch gehalten, Bischof Banzi stellte die Diözese vor, man zeigte was man hat. Der Nuntius, ein Bischof aus Dar es Salam, sprach auch lange, die Rede wurde noch übersetzt und alle waren froh, dass dieser Teil nun zu Ende war.
Der Nuntius sprach dann mit den Priestern, das Volk verteilte sich im weiten Gelände, Manfred und ich saßen in einem Palmenhain direkt über dem indischen Ozean (der Bischofsitz hat eine traumhafte Lage) und tranken Cola. Als aus dem Versammlungsraum der Schlussapplaus erklang, ging es zum gemeinsamen Mittagessen auf afrikanische Art.
Riesige Töpfe standen bereit, jeder nahm sich einen Teller, schöpfte und setzte sich irgendwo auf einen Stuhl, schätzungsweise fünfhundert Menschen.
Nachdem Thomas noch schnell alle Wasserflaschen eingesammelt hat und sie auf den Pick-Up warf, fuhren wir wieder gen Hale.

 

Freitag, 18. September:

Der Nuntius kehrt heute zurück nach Dar es Salam, der Wagenkonvoi kommt auch durch Hale.
Deshalb war alles schon früh auf den Beinen, nach dem kurzen Frühstück brachte man die Gelb-Weißen Kinder mit den Fähnchen zur Hauptstraße, die Band war wieder zugange und wartete auf die Wagenkolonne des hohen Herrn. Wir haben uns abgeseilt und hoffen, dass es bald wieder normal wird, nachdem dieser Mensch zwei Tage lang alles durcheinander gebracht hat. Ob man das Geld für die extra gedruckten T-Shirts nicht hätte anders verwenden können?

Ich fahre mit Thomas nach Zenneth, einer italienischen Kongregation mit einer sehr großen Landwirtschaft. Mit dem Maissähgerät, das auch schon an unserem Traktor gelaufen ist, hat man Probleme. Es ist wieder das gleiche Bild, man hat solange „geflickt“ bis nichts mehr ging. Eine schnelle Aktion ist nicht möglich, zwei Tage in unserer „Werkstatt“ in Hale sind notwendig um die Maschine wieder in Ordnung zu bringen. Im nächsten Jahr, so Gott will. So ist Afrika.

Nun kommt das unangenehme einer Reise, die Koffer müssen gepackt werden.
Morgen geht es nach Dar es Salam, am Sonntag nach Zürich.

 

Samstag, 19. September:

Nach der Frühmesse fahren wir mit Thomas nach Dar es Salam, wir treffen dort noch einen Mann, der Interesse an unserem Kunststoffmaterial hat. Es stellt sich heraus, dass er für einen Chinesen vermittelt und nennt als Preis € 220 per t, dies ist für diese Qualität nicht akzeptabel. Ich habe die Befürchtung, dass hier wieder alle ein Geschäft machen wollen, nur die die Arbeit machen, sollen umsonst arbeiten. Ich werde mich zuhause genauer informieren.

Wir übernachten in der tansanischen Bischofskonferenz, die ein akzeptables Gästehaus hat, am Sonntag um 17 Uhr ist Abflug, wir haben genügend Zeit.

 

„Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht“, dieses Sprichwort gilt nirgends so wie in Afrika.

So manches Hilfsprojekt scheiterte nicht an der guten Meinung, sondern an der Ausführung.

So viele Möglichkeiten springen einem hier ins Auge, man muss jedoch die deutsche Denke ausschalten und die mentalen Möglichkeiten vor Ort sehen, will heißen, dass man sich genau überlegen muss, welche Hilfe hier einen Sinn macht.
Nur was vor Ort langfristig leistbar ist, was nachhaltig angelegt und solange begleitet wird, bis es auf eigenen Beinen stehen kann, macht letztlich Sinn.Das „Projekt Hale“ ist jetzt an einem Punkt, an dem ein gewisser Aufbau abgeschlossen ist. Die Möglichkeiten der Weiterentwicklung sind geschaffen, sie müssen sicher noch begleitet werden, letztlich liegt es jedoch an den Menschen vor Ort, was sie daraus machen. Es gibt eine ganze Reihe von hoffnungsvollen jungen Leuten, denen nur die Ausbildung fehlt und die sich danach sehnen.
Es gibt auch ein großes Potenzial an einfacher Arbeitskraft, die sehr stark im traditionellen verhaftet ist. Beides in einen guten Einklang zu bringen, ohne den örtlichen und kulturellen Gegebenheiten den „deutschen Standard“ aufzuzwingen, muss das Ziel sein.

Während bei uns eine Gelbbauchunke, ein Roter Milan oder eine entsprechende Fledermaus ein ganzes Industriegebiet verhindern, gibt es hier noch nicht einmal eine geordnete Müllabfuhr, geschweige denn eine Sortierung oder Verwertung. Ein Beispiel von vielen.

Hier klafft sie auseinander, die eine Welt in der wir leben. Was den Verbrauch von Energie, Ressourcen und Natur angeht, können wir ein Beispiel geben, was das Konsumverhalten, die Verschwendung und die positive Lebenseinstellung betrifft, liegt das Beispiel bei den Menschen hier.
Man sollte sich hüten, ein vorschnelles Urteil abzugeben. Je länger man sich mit den Problemen beschäftigt, desto zurückhaltender wird man.

Eines ist allerdings sicher, die Welt wird früher oder später daran zerbrechen, wenn die „Hochentwickelten“ auf Kosten der „Unterentwickelten“ ihren Vorsprung immer weiter ausbauen.
Wir erleben derzeit die ersten Anzeichen.

 

Josef Vogt, 21.09.2015